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Versicherungsmodelle 2027: Hausarzt, HMO, Telmed & Flex erklärt

Die Versicherungsmodelle der Grundversicherung 2027: Standard, Praxis (Hausarzt/HMO), Telmed/Digital, Flex und Apotheke. Neue BAG-Kategorien, Rabatte und Wechselfristen.

Nicole BohneBeraterin für Vorsorge & Einwanderung 10 Min. Lesezeit Aktualisiert: September 2026 FINMA-registriert · unabhängig
In diesem Ratgeber
  1. Gleiche Leistungen, unterschiedliche Prämien
  2. Neu ab 2027: Die BAG-Kategorien Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke
  3. Das Standardmodell: Maximale Freiheit
  4. Vorteile
  5. Nachteile
  6. Geeignet für
  7. Das Hausarztmodell: Ihr Arzt als Lotse
  8. Wie es funktioniert
  9. Prämienrabatt
  10. Vorteile
  11. Nachteile
  12. Das HMO-Modell: Gruppenpraxis als Drehscheibe
  13. Wie es funktioniert
  14. Prämienrabatt
  15. Vorteile
  16. Nachteile
  17. Das Telmed-Modell: Digital zuerst
  18. Wie es funktioniert
  19. Prämienrabatt
  20. Vorteile
  21. Nachteile
  22. Flex und Apotheke: die neuen Kategorien
  23. Vergleich der Modelle 2027
  24. Welches Modell passt zu wem?
  25. Profil 1: Gesunde junge Person (20 bis 35 Jahre)
  26. Profil 2: Familie mit Kindern
  27. Profil 3: Person mit chronischer Erkrankung
  28. Profil 4: Digital affine Person
  29. Versicherungsmodell wechseln
  30. Häufige Fehler bei der Modellwahl
  31. Häufig gestellte Fragen
  32. Sind die Leistungen bei allen Modellen wirklich gleich?
  33. Was bedeuten Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke?
  34. Was passiert im Notfall?
  35. Kann ich im Hausarztmodell direkt zum Augenarzt oder Gynäkologen?
  36. Muss ich bei Telmed lange am Telefon warten?
  37. Kann ich das Modell jederzeit wechseln?
  38. Was passiert, wenn ich ohne Überweisung zum Spezialisten gehe?
  39. Gibt es HMO-Praxen überall in der Schweiz?
  40. Wie spare ich maximal bei der Prämie?

Vier Wege zum Arzt

An wen wenden Sie sich zuerst?

Standard: Sie gehen bei jedem gesundheitlichen Problem direkt zu einem beliebigen zugelassenen Arzt oder Spezialisten, ohne Überweisung und ohne telefonische Vorabklärung. Prämie: Referenz für alle anderen Modelle

Gleiche Leistungen, unterschiedliche Prämien

Die Schweizer Grundversicherung bietet neben dem Standardmodell mit freier Arztwahl verschiedene Modelle mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer: Hausarzt, HMO, Telmed und neuere Mischformen. Alle decken exakt die gleichen Leistungen ab, denn der Leistungskatalog des KVG gilt für jedes Modell. Der Unterschied liegt darin, an wen Sie sich bei einem gesundheitlichen Problem zuerst wenden müssen.

Wer beim Zugang eine Einschränkung akzeptiert, zahlt eine tiefere Prämie. Laut BAG-Prämiendaten 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall) ist ein Praxis-, Telmed- oder Flex-Modell schweizweit im Median rund 11,5 bis 12 % günstiger als das Standardmodell derselben Kasse. In der Stadt Zürich liegt die mittlere Standardprämie für dieses Profil bei CHF 677.00 pro Monat (Median aller Kassen). Wer dort ins günstigste alternative Modell seiner Kasse wechselt, spart im Median rund CHF 1’180 pro Jahr.

Neu ab 2027: Die BAG-Kategorien Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke

Mit den Prämien 2027 hat das BAG die Modelle mit eingeschränkter Wahl neu eingeteilt. Die bisherigen Kategorien liessen sich nicht mehr klar voneinander abgrenzen, vor allem Hausarzt- und HMO-Modelle (BAG: Versicherungsmodelle mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer). Im offiziellen Prämienrechner auf priminfo.admin.ch und in unserem Prämienrechner erscheinen seit dem 29. September 2026 diese Kategorien:

Kategorie ab 2027Erste AnlaufstelleErsetzt bzw. umfasst
PraxisImmer eine vorgegebene Arztpraxis, die Sie bei Bedarf an Spezialisten überweistDie bisherigen Kategorien Hausarzt und HMO
Telmed/DigitalErstkontakt per Telefon oder digital, zum Beispiel über ein Telemedizinzentrum oder eine AppDie bisherige Kategorie «weitere Modelle», vor allem Telmed
FlexMehrere erste Anlaufstellen zur Auswahl, zum Beispiel Arztpraxis oder TelemedizinNeu
ApothekeEine Partnerapotheke der KrankenkasseNeu

Die neuen Kategorien betreffen die Einteilung in Vergleichen wie dem Prämienrechner. Ihr Modell trägt weiterhin den Produktnamen Ihrer Kasse; ob sich an Ihrem Modell für 2027 etwas ändert, steht im Prämienbrief Ihrer Kasse. Wer 2026 im Prämienrechner nach «Hausarzt» oder «HMO» gesucht hat, findet solche Angebote 2027 unter «Praxis». Was sich für 2027 sonst geändert hat, fasst die Übersicht Krankenkassenprämien 2027 zusammen.

Weil Hausarzt und HMO in den BAG-Daten ab 2027 eine gemeinsame Kategorie bilden, weisen wir die Rabatte unten für die Kategorie Praxis gemeinsam aus.

Das Standardmodell: Maximale Freiheit

Im Standardmodell (auch „freie Arztwahl” genannt) können Sie bei jedem gesundheitlichen Problem direkt zu einem beliebigen zugelassenen Arzt oder Spezialisten gehen. Es gibt keine Einschränkung, keine Erstberatungspflicht und keine Gatekeeper-Funktion.

Vorteile

Sie haben die volle Flexibilität. Wollen Sie direkt zum Dermatologen, zum Orthopäden oder in die Notfallpraxis? Im Standardmodell brauchen Sie keine Überweisung und keine telefonische Vorabklärung. Das ist besonders wertvoll, wenn Sie regelmässig verschiedene Spezialisten aufsuchen oder in einer Region wohnen, in der die Auswahl bei eingeschränkten Modellen klein ist.

Nur im Standardmodell mit Franchise CHF 300 können Sie die Kasse zusätzlich per 30. Juni wechseln (KVG Art. 7 Abs. 1).

Nachteile

Sie zahlen die höchste Prämie. In der Stadt Zürich liegt die Standardprämie 2027 bei derselben Kasse je nach Kasse CHF 34 bis CHF 147 pro Monat über dem günstigsten alternativen Modell (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall).

Geeignet für

Personen, die maximale Flexibilität schätzen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Auch sinnvoll für Personen, die in einer Region wohnen, wo alternative Modelle nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.

Das Hausarztmodell: Ihr Arzt als Lotse

Im Hausarztmodell wählen Sie eine feste Hausarztpraxis aus einer Liste Ihrer Krankenkasse. Bei jedem gesundheitlichen Problem gehen Sie zuerst dorthin. Die Praxis entscheidet, ob eine Überweisung an einen Spezialisten nötig ist. Seit 2027 gehört das Hausarztmodell zur BAG-Kategorie Praxis.

Wie es funktioniert

Sie melden sich bei Ihrer Kasse mit dem Namen Ihrer gewählten Hausarztpraxis an. Ab dann ist diese Praxis Ihre erste Anlaufstelle. Sie koordiniert Ihre Behandlung, überweist Sie bei Bedarf an Spezialisten und behält den Überblick über Ihre Krankengeschichte.

Im Notfall (z. B. bei einem Unfall oder akuten Beschwerden ausserhalb der Praxiszeiten) können Sie direkt in die Notaufnahme gehen. Die Notfall-Ausnahme gilt bei allen eingeschränkten Modellen.

Prämienrabatt

Kategorie Praxis, Stadt Zürich 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall): Gegenüber dem Standardmodell derselben Kasse sparen Sie je nach Kasse CHF 33.80 bis CHF 147.20 pro Monat, im Median CHF 82.85 oder 12,5 %. Das sind rund CHF 990 pro Jahr. 26 der 27 Kassen in Zürich bieten ein Modell dieser Kategorie an.

Vorteile

  • Tiefere Prämie als Standardmodell
  • Kontinuierliche Betreuung durch eine Praxis, die Sie kennt
  • Bessere Koordination, weniger Doppeluntersuchungen
  • Hausärztin oder Hausarzt als Vertrauensperson für medizinische Entscheidungen

Nachteile

  • Kein direkter Zugang zu Spezialisten (ausser im Notfall und bei Ausnahmen, die die Kasse festlegt)
  • Arztwahl eingeschränkt auf die Liste der Kasse
  • Wechsel der Praxis erfordert Meldung an die Kasse
  • Wenn Ihre Hausärztin in den Ferien ist oder die Praxis schliesst, brauchen Sie eine Alternative

Tipp

Prüfen Sie vor dem Wechsel zum Hausarztmodell, ob Ihre bevorzugte Praxis auf der Liste Ihrer Krankenkasse steht. Nicht jede Praxis nimmt an jedem Modell teil. Ein Anruf bei der Praxis oder ein Blick auf die Website der Kasse genügt.

Das HMO-Modell: Gruppenpraxis als Drehscheibe

HMO steht für „Health Maintenance Organization”. In diesem Modell gehen Sie bei allen gesundheitlichen Anliegen zuerst in eine HMO-Gruppenpraxis oder ein HMO-Gesundheitszentrum. Dort arbeiten verschiedene Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach und behandeln Sie koordiniert. Wie das Hausarztmodell gehört HMO ab 2027 zur BAG-Kategorie Praxis.

Wie es funktioniert

Sie melden sich bei einer HMO-Praxis in Ihrer Region an. Diese Praxis ist Ihre erste Anlaufstelle für alle medizinischen Fragen. Die Ärztinnen und Ärzte in der Praxis entscheiden, ob Sie intern behandelt oder an einen externen Spezialisten überwiesen werden.

Viele HMO-Praxen arbeiten mit einer Budgetverantwortung, tragen also einen Teil des Kostenrisikos. Die medizinischen Kriterien der Grundversicherung (wirksam, zweckmässig, wirtschaftlich) gelten unverändert.

Prämienrabatt

Weil das BAG Hausarzt und HMO ab 2027 gemeinsam als Praxis ausweist, gelten dieselben Zahlen wie beim Hausarztmodell: in der Stadt Zürich im Median CHF 82.85 pro Monat oder 12,5 % günstiger als das Standardmodell derselben Kasse (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall). Bei einzelnen Kassen beträgt der Rabatt über 20 %.

Vorteile

  • Spürbarer Prämienrabatt, bei einzelnen Kassen über 20 %
  • Alles unter einem Dach (Labor, Röntgen, verschiedene Ärzte)
  • Kürzere Wege, koordinierte Behandlung
  • Gemeinsame Patientenakte innerhalb der Praxis

Nachteile

  • Am stärksten eingeschränkte Arztwahl
  • HMO-Praxen nicht überall verfügbar (vor allem in ländlichen Gebieten)
  • Weniger persönliche Arzt-Patienten-Beziehung (Sie sehen nicht immer dieselbe Ärztin)
  • Keine freie Spezialistenwahl

Verfügbarkeit beachten

HMO-Praxen gibt es vor allem in städtischen Gebieten und grösseren Agglomerationen. In ländlichen Regionen ist das Modell oft nicht verfügbar. Prüfen Sie die Standorte auf der Website Ihrer Krankenkasse.

Das Telmed-Modell: Digital zuerst

Im Telmed-Modell (Telemedizin) kontaktieren Sie bei gesundheitlichen Fragen zuerst eine telefonische oder digitale Beratungsstelle. Medizinische Fachpersonen beurteilen Ihre Situation und empfehlen das weitere Vorgehen. Ab 2027 heisst die BAG-Kategorie Telmed/Digital; sie umfasst auch Modelle, bei denen der Erstkontakt über eine App läuft.

Wie es funktioniert

Sie rufen die medizinische Beratung Ihrer Krankenkasse an oder nutzen App oder Video. Die Fachperson macht eine Erstbeurteilung und empfiehlt: Selbstbehandlung, Apotheke, Hausarzt, Spezialist oder Notfall. Erst nach dieser Triage gehen Sie zum Arzt.

Viele Telmed-Dienste sind rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und am Wochenende. Prüfen Sie die Erreichbarkeit im Reglement Ihrer Kasse.

Prämienrabatt

Kategorie Telmed/Digital, Stadt Zürich 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall): Sie sparen je nach Kasse CHF 39.60 bis CHF 129.50 pro Monat, im Median CHF 80.05 oder 12 %. Das sind rund CHF 960 pro Jahr. 24 der 27 Kassen in Zürich bieten ein solches Modell an.

Vorteile

  • Spürbare Prämienersparnis
  • Medizinische Beratung oft rund um die Uhr erreichbar
  • Keine Bindung an eine bestimmte Praxis
  • Unabhängig vom Wohnort nutzbar
  • Oft schnellere Erstbeurteilung als beim Hausarzt

Nachteile

  • Bei jedem Anliegen zuerst anrufen oder die App nutzen, auch bei offensichtlichen Fällen
  • Telefonische Beurteilung hat Grenzen (kein physischer Untersuch)
  • Manche empfinden den Umweg als lästig
  • Qualität der Beratung variiert je nach Dienst

Flex und Apotheke: die neuen Kategorien

Flex: Sie wählen je nach Situation zwischen mehreren ersten Anlaufstellen, zum Beispiel Ihrer Praxis oder der telefonischen Beratung. Solche Kombimodelle gab es schon vor 2027; das BAG führt sie nun als eigene Kategorie. In der Stadt Zürich bieten 2027 15 von 27 Kassen ein Flex-Modell an. Die Ersparnis gegenüber Standard liegt dort je nach Kasse bei CHF 29.00 bis CHF 114.80 pro Monat, im Median bei CHF 89.70 oder 12,5 % (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall).

Apotheke: Ihre erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen ist eine Partnerapotheke der Kasse. Ob Ihre Kasse ein solches Modell in Ihrer Region anbietet, sehen Sie im Prämienrechner. Wie hoch der Rabatt ist, hängt vom Angebot ab.

Vergleichen Sie bei allen Varianten die Prämie mit dem Standardmodell derselben Kasse und lesen Sie das Reglement: Dort steht, welche Ausnahmen gelten und was passiert, wenn Sie den vorgegebenen Weg nicht einhalten.

Vergleich der Modelle 2027

KriteriumStandardPraxis (Hausarzt/HMO)Telmed/DigitalFlex
Erste AnlaufstelleFrei wählbarVorgegebene PraxisTelefon, Video oder AppMehrere zur Wahl
Freie ArztwahlJaEingeschränktNach Triage gemäss EmpfehlungEingeschränkt
Rabatt vs. Standard (Median Schweiz)Referenz12 %11,5 %12 %
Jährliche Ersparnis (Median Stadt Zürich)CHF 0rund CHF 990rund CHF 960rund CHF 1’080
Angeboten von (Stadt Zürich)27 von 27 Kassen26 von 2724 von 2715 von 27
Kassenwechsel per 30. JuniMit Franchise CHF 300 möglichNeinNeinNein
NotfallDirektDirektDirektDirekt

Rabatt und Ersparnis: Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall, BAG-Prämiendaten 2027. «Median Schweiz» vergleicht in allen Prämienregionen jedes Angebot mit dem Standardmodell derselben Kasse. «Median Stadt Zürich» gilt für PLZ 8001 (Prämienregion ZH 1), günstigstes Angebot der Kategorie gegenüber der eigenen Standardprämie. Ihre Zahlen für Ihre PLZ zeigt der Prämienrechner.

Welches Modell passt zu wem?

Die Wahl des richtigen Modells hängt von Ihrer persönlichen Situation, Ihren Vorlieben und Ihrem Wohnort ab. Einige typische Profile:

Profil 1: Gesunde junge Person (20 bis 35 Jahre)

Empfehlung: Telmed oder Praxis. Junge, gesunde Personen gehen selten zum Arzt. Die telefonische Erstberatung ist kein grosser Umweg, und die Prämienersparnis ist willkommen. Liegt eine HMO-Praxis in der Nähe, lohnt sich auch diese. Ob Praxis oder Telmed günstiger ist, hängt von der Kasse ab: In der Stadt Zürich ist 2027 bei 11 Kassen das Praxis-Modell günstiger, bei 12 das Telmed-Modell.

Rechenbeispiel Zürich (Erwachsene ab 26, Franchise CHF 300, mit Unfall, 2027): Concordia verlangt im Standardmodell CHF 652.10 pro Monat, im Praxis-Modell CHF 557.60 (14,5 % weniger). Ersparnis: CHF 1’134 pro Jahr.

Profil 2: Familie mit Kindern

Empfehlung: Praxis (Hausarzt). Familien mit Kindern brauchen eine verlässliche Anlaufstelle. Die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis kennt die Familie und koordiniert. Die Prämienersparnis summiert sich bei mehreren Familienmitgliedern.

Rechenbeispiel Zürich: Familie mit 2 Erwachsenen (Franchise CHF 300) und 2 Kindern (Franchise CHF 0), alle mit Unfall, Praxis-Modell statt Standard bei derselben Kasse. Die Ersparnis liegt im Median bei rund CHF 990 pro Erwachsenem und rund CHF 200 pro Kind, zusammen im Median rund CHF 2’320 pro Jahr (je nach Kasse CHF 1’003 bis CHF 4’366, BAG-Prämiendaten 2027).

Profil 3: Person mit chronischer Erkrankung

Empfehlung: Praxis (Hausarzt) oder Standard. Wer regelmässig zum Spezialisten muss, profitiert von kurzen Wegen. Das Hausarztmodell funktioniert gut, wenn die Praxis effizient überweist. Bei sehr spezialisierten Erkrankungen kann das Standardmodell sinnvoller sein, um Verzögerungen zu vermeiden.

Profil 4: Digital affine Person

Empfehlung: Telmed/Digital oder Flex. Wer kein Problem mit einer telefonischen oder App-basierten Erstberatung hat, ist im Telmed-Modell gut aufgehoben. Wer sich die Wahl zwischen Praxis und Telefon offenhalten will, prüft ein Flex-Modell.

Kombination mit Franchise

Versicherungsmodell und Franchise sind unabhängig voneinander wählbar. Wer vom Standardmodell mit Franchise CHF 300 zum günstigsten alternativen Modell derselben Kasse mit Franchise CHF 2’500 wechselt, spart in der Stadt Zürich 2027 je nach Kasse CHF 1’872 bis CHF 3’306 pro Jahr (Erwachsene, mit Unfall). Im Ernstfall tragen Sie dann aber bis zu CHF 2’500 Franchise plus CHF 700 Selbstbehalt. Mehr zur Franchise-Wahl im Artikel Franchise 300 oder 2’500: Rechner und Break-even.

Versicherungsmodell wechseln

Die Regeln unterscheiden sich je nach Richtung (KVV Art. 100):

Vom Standardmodell in ein Praxis-, Telmed-, Flex- oder Apothekenmodell: Die Verordnung erlaubt diesen Wechsel jederzeit (KVV Art. 100 Abs. 2). Ab welchem Datum das neue Modell gilt, erfahren Sie bei Ihrer Kasse. Prüfen Sie vorher, ob in Ihrer Region eine passende Praxis auf der Liste der Kasse steht.

Aus einem eingeschränkten Modell zurück ins Standardmodell, in ein anderes Modell oder zu einer anderen Kasse: Nur auf das Ende eines Kalenderjahres, mit den Kündigungsfristen des KVG (KVV Art. 100 Abs. 3). Für den Wechsel per 1. Januar 2027 muss Ihre Mitteilung bis 30. November 2026 bei der Kasse eingehen. Ein Wechsel per 30. Juni ist aus einem eingeschränkten Modell nicht möglich.

Prämienänderung unter dem Jahr: Ändert Ihre Kasse die Prämie auf einen anderen Zeitpunkt, können Sie mit einem Monat Frist auf das Ende des Monats vor der neuen Prämie zu einer anderen Kasse wechseln (KVG Art. 7 Abs. 2).

Was Sie ändernMuss bei der Kasse eingehenGilt abRechtsgrundlage
Aus Praxis, Telmed, Flex oder Apotheke zurück ins Standardmodell30. November 20261. Januar 2027KVV Art. 100 Abs. 3
Krankenkasse wechseln (jede Franchise, jedes Modell)30. November 20261. Januar 2027KVG Art. 7 Abs. 2
Franchise senken30. November 20261. Januar 2027KVV Art. 94 Abs. 2
Franchise erhöhen31. Dezember 2026 (BAG empfiehlt: bis Mitte Dezember)1. Januar 2027KVV Art. 94 Abs. 1
Krankenkasse wechseln Mitte Jahr (nur mit Franchise CHF 300, Kinder CHF 0, im Standardmodell)31. März 20271. Juli 2027KVG Art. 7 Abs. 1

Massgebend ist der Eingang bei der Kasse, nicht der Poststempel. Einen umfassenden Überblick über die Grundversicherung finden Sie im Komplett-Guide zur Grundversicherung Schweiz.

Häufige Fehler bei der Modellwahl

Fehler 1: Nur auf den Rabatt schauen. Der grösste Rabatt nützt nichts, wenn das Modell nicht zu Ihrem Alltag passt. Wer bei jedem Anliegen zuerst telefonieren muss und das als lästig empfindet, wird unzufrieden sein.

Fehler 2: HMO wählen, ohne den Standort zu prüfen. Wenn die nächste HMO-Praxis weit entfernt ist, kostet Sie jeder Besuch Zeit.

Fehler 3: Den vorgegebenen Weg nicht einhalten. Gehen Sie im Hausarzt- oder HMO-Modell ohne Überweisung zu einem Spezialisten, kann die Kasse die Kostenübernahme verweigern. Was genau gilt, steht im Reglement Ihrer Kasse.

Fehler 4: Das Modell nie überprüfen. Wenn sich Ihre Lebenssituation ändert (Umzug, neue Diagnose, Familienzuwachs), prüfen Sie, ob das Modell noch passt. Zurück ins Standardmodell geht es nur per 1. Januar.

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Häufig gestellte Fragen

Sind die Leistungen bei allen Modellen wirklich gleich?

Ja. Der Leistungskatalog der Grundversicherung ist gesetzlich festgelegt und gilt für jedes Modell. Der Unterschied liegt im Zugangsweg, also an wen Sie sich zuerst wenden müssen.

Was bedeuten Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke?

Das sind die Kategorien, in die das BAG die Modelle ab den Prämien 2027 einteilt. Praxis umfasst die bisherigen Hausarzt- und HMO-Modelle, Telmed/Digital die Modelle mit Erstkontakt per Telefon oder App. Flex bietet mehrere erste Anlaufstellen zur Auswahl, beim Apothekenmodell ist eine Partnerapotheke der Kasse die erste Anlaufstelle.

Was passiert im Notfall?

Bei einem Notfall können Sie in jedem Modell direkt ins Spital oder in die Notaufnahme gehen. Die Pflicht zur Erstberatung entfällt bei Notfällen.

Kann ich im Hausarztmodell direkt zum Augenarzt oder Gynäkologen?

Viele Kassen sehen für bestimmte Fachrichtungen, etwa Augenheilkunde oder Gynäkologie, Ausnahmen vor. Die genauen Regeln variieren je nach Kasse. Prüfen Sie das Reglement Ihres Modells.

Muss ich bei Telmed lange am Telefon warten?

Die Wartezeiten variieren je nach Dienst und Tageszeit. Viele Kassen bieten inzwischen auch App-Beratung mit Rückruf an, sodass Sie nicht in der Leitung warten müssen.

Kann ich das Modell jederzeit wechseln?

In ein Praxis-, Telmed-, Flex- oder Apothekenmodell ja: Die Verordnung erlaubt den Wechsel aus dem Standardmodell jederzeit (KVV Art. 100 Abs. 2). Zurück ins Standardmodell oder zu einer anderen Kasse geht es nur per 1. Januar; die Mitteilung muss bis 30. November bei der Kasse eingehen.

Was passiert, wenn ich ohne Überweisung zum Spezialisten gehe?

Im Hausarzt- oder HMO-Modell riskieren Sie, die Kosten selbst tragen zu müssen, wenn Sie ohne Überweisung direkt zum Spezialisten gehen (ausser im Notfall). Die Kasse kann die Kostenübernahme verweigern.

Gibt es HMO-Praxen überall in der Schweiz?

Nein. HMO-Praxen gibt es vor allem in Städten und grösseren Agglomerationen. In ländlichen Gebieten ist das Modell oft nicht verfügbar. Prüfen Sie die Standorte auf der Website Ihrer Kasse.

Wie spare ich maximal bei der Prämie?

Die Kombination aus einem alternativen Modell und Franchise CHF 2’500 ergibt die tiefste Prämie. Welches Modell bei Ihrer Kasse am günstigsten ist, ist unterschiedlich. Das ist sinnvoll für gesunde Personen, die selten zum Arzt gehen und im Ernstfall CHF 3’200 Eigenkosten tragen können. Die Prämien 2027 aller Kassen zeigt die Übersicht Krankenkassenprämien 2027.

Über den Autor

Nicole Bohne

Beraterin für Vorsorge & Einwanderung

Nicole Bohne ist seit 10 Jahren in Versicherung und Vorsorge tätig, unter anderem bei der Basler und der Zurich. Sie ist spezialisiert auf Vorsorge (Säule 3a, Risikoabsicherung, Steuern) und auf die Versicherungsfragen rund um die Einwanderung in die Schweiz. FINMA-registrierte Vermittlerin (F01536402); sie berät auf Deutsch, Englisch und Französisch.

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