Vier Wege zum Arzt
An wen wenden Sie sich zuerst?
Standard: Sie gehen bei jedem gesundheitlichen Problem direkt zu einem beliebigen zugelassenen Arzt oder Spezialisten, ohne Überweisung und ohne telefonische Vorabklärung. Prämie: Referenz für alle anderen Modelle
Hausarzt: Bei jedem gesundheitlichen Problem gehen Sie zuerst zu Ihrer gewählten Hausarztpraxis. Sie entscheidet, ob eine Überweisung an einen Spezialisten nötig ist. Ab 2027 gehört das Modell zur BAG-Kategorie «Praxis». Kategorie Praxis, Stadt Zürich 2027: im Median 12,5 % günstiger als Standard
Telmed: Sie kontaktieren zuerst die medizinische Beratung Ihrer Krankenkasse per Telefon, Video oder App. Erst nach dieser Triage gehen Sie zum Arzt. Ab 2027 heisst die Kategorie «Telmed/Digital». Kategorie Telmed/Digital, Stadt Zürich 2027: im Median 12 % günstiger als Standard
HMO: Sie gehen bei allen gesundheitlichen Anliegen zuerst in eine HMO-Gruppenpraxis, in der mehrere Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach arbeiten. Ab 2027 gehört auch dieses Modell zur Kategorie «Praxis». Kategorie Praxis, Stadt Zürich 2027: im Median 12,5 % günstiger als Standard
Gleiche Leistungen, unterschiedliche Prämien
Die Schweizer Grundversicherung bietet neben dem Standardmodell mit freier Arztwahl verschiedene Modelle mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer: Hausarzt, HMO, Telmed und neuere Mischformen. Alle decken exakt die gleichen Leistungen ab, denn der Leistungskatalog des KVG gilt für jedes Modell. Der Unterschied liegt darin, an wen Sie sich bei einem gesundheitlichen Problem zuerst wenden müssen.
Wer beim Zugang eine Einschränkung akzeptiert, zahlt eine tiefere Prämie. Laut BAG-Prämiendaten 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall) ist ein Praxis-, Telmed- oder Flex-Modell schweizweit im Median rund 11,5 bis 12 % günstiger als das Standardmodell derselben Kasse. In der Stadt Zürich liegt die mittlere Standardprämie für dieses Profil bei CHF 677.00 pro Monat (Median aller Kassen). Wer dort ins günstigste alternative Modell seiner Kasse wechselt, spart im Median rund CHF 1’180 pro Jahr.
Neu ab 2027: Die BAG-Kategorien Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke
Mit den Prämien 2027 hat das BAG die Modelle mit eingeschränkter Wahl neu eingeteilt. Die bisherigen Kategorien liessen sich nicht mehr klar voneinander abgrenzen, vor allem Hausarzt- und HMO-Modelle (BAG: Versicherungsmodelle mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer). Im offiziellen Prämienrechner auf priminfo.admin.ch und in unserem Prämienrechner erscheinen seit dem 29. September 2026 diese Kategorien:
| Kategorie ab 2027 | Erste Anlaufstelle | Ersetzt bzw. umfasst |
|---|---|---|
| Praxis | Immer eine vorgegebene Arztpraxis, die Sie bei Bedarf an Spezialisten überweist | Die bisherigen Kategorien Hausarzt und HMO |
| Telmed/Digital | Erstkontakt per Telefon oder digital, zum Beispiel über ein Telemedizinzentrum oder eine App | Die bisherige Kategorie «weitere Modelle», vor allem Telmed |
| Flex | Mehrere erste Anlaufstellen zur Auswahl, zum Beispiel Arztpraxis oder Telemedizin | Neu |
| Apotheke | Eine Partnerapotheke der Krankenkasse | Neu |
Die neuen Kategorien betreffen die Einteilung in Vergleichen wie dem Prämienrechner. Ihr Modell trägt weiterhin den Produktnamen Ihrer Kasse; ob sich an Ihrem Modell für 2027 etwas ändert, steht im Prämienbrief Ihrer Kasse. Wer 2026 im Prämienrechner nach «Hausarzt» oder «HMO» gesucht hat, findet solche Angebote 2027 unter «Praxis». Was sich für 2027 sonst geändert hat, fasst die Übersicht Krankenkassenprämien 2027 zusammen.
Weil Hausarzt und HMO in den BAG-Daten ab 2027 eine gemeinsame Kategorie bilden, weisen wir die Rabatte unten für die Kategorie Praxis gemeinsam aus.
Das Standardmodell: Maximale Freiheit
Im Standardmodell (auch „freie Arztwahl” genannt) können Sie bei jedem gesundheitlichen Problem direkt zu einem beliebigen zugelassenen Arzt oder Spezialisten gehen. Es gibt keine Einschränkung, keine Erstberatungspflicht und keine Gatekeeper-Funktion.
Vorteile
Sie haben die volle Flexibilität. Wollen Sie direkt zum Dermatologen, zum Orthopäden oder in die Notfallpraxis? Im Standardmodell brauchen Sie keine Überweisung und keine telefonische Vorabklärung. Das ist besonders wertvoll, wenn Sie regelmässig verschiedene Spezialisten aufsuchen oder in einer Region wohnen, in der die Auswahl bei eingeschränkten Modellen klein ist.
Nur im Standardmodell mit Franchise CHF 300 können Sie die Kasse zusätzlich per 30. Juni wechseln (KVG Art. 7 Abs. 1).
Nachteile
Sie zahlen die höchste Prämie. In der Stadt Zürich liegt die Standardprämie 2027 bei derselben Kasse je nach Kasse CHF 34 bis CHF 147 pro Monat über dem günstigsten alternativen Modell (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall).
Geeignet für
Personen, die maximale Flexibilität schätzen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Auch sinnvoll für Personen, die in einer Region wohnen, wo alternative Modelle nicht oder nur eingeschränkt verfügbar sind.
Das Hausarztmodell: Ihr Arzt als Lotse
Im Hausarztmodell wählen Sie eine feste Hausarztpraxis aus einer Liste Ihrer Krankenkasse. Bei jedem gesundheitlichen Problem gehen Sie zuerst dorthin. Die Praxis entscheidet, ob eine Überweisung an einen Spezialisten nötig ist. Seit 2027 gehört das Hausarztmodell zur BAG-Kategorie Praxis.
Wie es funktioniert
Sie melden sich bei Ihrer Kasse mit dem Namen Ihrer gewählten Hausarztpraxis an. Ab dann ist diese Praxis Ihre erste Anlaufstelle. Sie koordiniert Ihre Behandlung, überweist Sie bei Bedarf an Spezialisten und behält den Überblick über Ihre Krankengeschichte.
Im Notfall (z. B. bei einem Unfall oder akuten Beschwerden ausserhalb der Praxiszeiten) können Sie direkt in die Notaufnahme gehen. Die Notfall-Ausnahme gilt bei allen eingeschränkten Modellen.
Prämienrabatt
Kategorie Praxis, Stadt Zürich 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall): Gegenüber dem Standardmodell derselben Kasse sparen Sie je nach Kasse CHF 33.80 bis CHF 147.20 pro Monat, im Median CHF 82.85 oder 12,5 %. Das sind rund CHF 990 pro Jahr. 26 der 27 Kassen in Zürich bieten ein Modell dieser Kategorie an.
Vorteile
- Tiefere Prämie als Standardmodell
- Kontinuierliche Betreuung durch eine Praxis, die Sie kennt
- Bessere Koordination, weniger Doppeluntersuchungen
- Hausärztin oder Hausarzt als Vertrauensperson für medizinische Entscheidungen
Nachteile
- Kein direkter Zugang zu Spezialisten (ausser im Notfall und bei Ausnahmen, die die Kasse festlegt)
- Arztwahl eingeschränkt auf die Liste der Kasse
- Wechsel der Praxis erfordert Meldung an die Kasse
- Wenn Ihre Hausärztin in den Ferien ist oder die Praxis schliesst, brauchen Sie eine Alternative
Tipp
Prüfen Sie vor dem Wechsel zum Hausarztmodell, ob Ihre bevorzugte Praxis auf der Liste Ihrer Krankenkasse steht. Nicht jede Praxis nimmt an jedem Modell teil. Ein Anruf bei der Praxis oder ein Blick auf die Website der Kasse genügt.
Das HMO-Modell: Gruppenpraxis als Drehscheibe
HMO steht für „Health Maintenance Organization”. In diesem Modell gehen Sie bei allen gesundheitlichen Anliegen zuerst in eine HMO-Gruppenpraxis oder ein HMO-Gesundheitszentrum. Dort arbeiten verschiedene Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach und behandeln Sie koordiniert. Wie das Hausarztmodell gehört HMO ab 2027 zur BAG-Kategorie Praxis.
Wie es funktioniert
Sie melden sich bei einer HMO-Praxis in Ihrer Region an. Diese Praxis ist Ihre erste Anlaufstelle für alle medizinischen Fragen. Die Ärztinnen und Ärzte in der Praxis entscheiden, ob Sie intern behandelt oder an einen externen Spezialisten überwiesen werden.
Viele HMO-Praxen arbeiten mit einer Budgetverantwortung, tragen also einen Teil des Kostenrisikos. Die medizinischen Kriterien der Grundversicherung (wirksam, zweckmässig, wirtschaftlich) gelten unverändert.
Prämienrabatt
Weil das BAG Hausarzt und HMO ab 2027 gemeinsam als Praxis ausweist, gelten dieselben Zahlen wie beim Hausarztmodell: in der Stadt Zürich im Median CHF 82.85 pro Monat oder 12,5 % günstiger als das Standardmodell derselben Kasse (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall). Bei einzelnen Kassen beträgt der Rabatt über 20 %.
Vorteile
- Spürbarer Prämienrabatt, bei einzelnen Kassen über 20 %
- Alles unter einem Dach (Labor, Röntgen, verschiedene Ärzte)
- Kürzere Wege, koordinierte Behandlung
- Gemeinsame Patientenakte innerhalb der Praxis
Nachteile
- Am stärksten eingeschränkte Arztwahl
- HMO-Praxen nicht überall verfügbar (vor allem in ländlichen Gebieten)
- Weniger persönliche Arzt-Patienten-Beziehung (Sie sehen nicht immer dieselbe Ärztin)
- Keine freie Spezialistenwahl
Verfügbarkeit beachten
HMO-Praxen gibt es vor allem in städtischen Gebieten und grösseren Agglomerationen. In ländlichen Regionen ist das Modell oft nicht verfügbar. Prüfen Sie die Standorte auf der Website Ihrer Krankenkasse.
Das Telmed-Modell: Digital zuerst
Im Telmed-Modell (Telemedizin) kontaktieren Sie bei gesundheitlichen Fragen zuerst eine telefonische oder digitale Beratungsstelle. Medizinische Fachpersonen beurteilen Ihre Situation und empfehlen das weitere Vorgehen. Ab 2027 heisst die BAG-Kategorie Telmed/Digital; sie umfasst auch Modelle, bei denen der Erstkontakt über eine App läuft.
Wie es funktioniert
Sie rufen die medizinische Beratung Ihrer Krankenkasse an oder nutzen App oder Video. Die Fachperson macht eine Erstbeurteilung und empfiehlt: Selbstbehandlung, Apotheke, Hausarzt, Spezialist oder Notfall. Erst nach dieser Triage gehen Sie zum Arzt.
Viele Telmed-Dienste sind rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und am Wochenende. Prüfen Sie die Erreichbarkeit im Reglement Ihrer Kasse.
Prämienrabatt
Kategorie Telmed/Digital, Stadt Zürich 2027 (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall): Sie sparen je nach Kasse CHF 39.60 bis CHF 129.50 pro Monat, im Median CHF 80.05 oder 12 %. Das sind rund CHF 960 pro Jahr. 24 der 27 Kassen in Zürich bieten ein solches Modell an.
Vorteile
- Spürbare Prämienersparnis
- Medizinische Beratung oft rund um die Uhr erreichbar
- Keine Bindung an eine bestimmte Praxis
- Unabhängig vom Wohnort nutzbar
- Oft schnellere Erstbeurteilung als beim Hausarzt
Nachteile
- Bei jedem Anliegen zuerst anrufen oder die App nutzen, auch bei offensichtlichen Fällen
- Telefonische Beurteilung hat Grenzen (kein physischer Untersuch)
- Manche empfinden den Umweg als lästig
- Qualität der Beratung variiert je nach Dienst
Flex und Apotheke: die neuen Kategorien
Flex: Sie wählen je nach Situation zwischen mehreren ersten Anlaufstellen, zum Beispiel Ihrer Praxis oder der telefonischen Beratung. Solche Kombimodelle gab es schon vor 2027; das BAG führt sie nun als eigene Kategorie. In der Stadt Zürich bieten 2027 15 von 27 Kassen ein Flex-Modell an. Die Ersparnis gegenüber Standard liegt dort je nach Kasse bei CHF 29.00 bis CHF 114.80 pro Monat, im Median bei CHF 89.70 oder 12,5 % (Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall).
Apotheke: Ihre erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragen ist eine Partnerapotheke der Kasse. Ob Ihre Kasse ein solches Modell in Ihrer Region anbietet, sehen Sie im Prämienrechner. Wie hoch der Rabatt ist, hängt vom Angebot ab.
Vergleichen Sie bei allen Varianten die Prämie mit dem Standardmodell derselben Kasse und lesen Sie das Reglement: Dort steht, welche Ausnahmen gelten und was passiert, wenn Sie den vorgegebenen Weg nicht einhalten.
Vergleich der Modelle 2027
| Kriterium | Standard | Praxis (Hausarzt/HMO) | Telmed/Digital | Flex |
|---|---|---|---|---|
| Erste Anlaufstelle | Frei wählbar | Vorgegebene Praxis | Telefon, Video oder App | Mehrere zur Wahl |
| Freie Arztwahl | Ja | Eingeschränkt | Nach Triage gemäss Empfehlung | Eingeschränkt |
| Rabatt vs. Standard (Median Schweiz) | Referenz | 12 % | 11,5 % | 12 % |
| Jährliche Ersparnis (Median Stadt Zürich) | CHF 0 | rund CHF 990 | rund CHF 960 | rund CHF 1’080 |
| Angeboten von (Stadt Zürich) | 27 von 27 Kassen | 26 von 27 | 24 von 27 | 15 von 27 |
| Kassenwechsel per 30. Juni | Mit Franchise CHF 300 möglich | Nein | Nein | Nein |
| Notfall | Direkt | Direkt | Direkt | Direkt |
Rabatt und Ersparnis: Erwachsene, Franchise CHF 300, mit Unfall, BAG-Prämiendaten 2027. «Median Schweiz» vergleicht in allen Prämienregionen jedes Angebot mit dem Standardmodell derselben Kasse. «Median Stadt Zürich» gilt für PLZ 8001 (Prämienregion ZH 1), günstigstes Angebot der Kategorie gegenüber der eigenen Standardprämie. Ihre Zahlen für Ihre PLZ zeigt der Prämienrechner.
Welches Modell passt zu wem?
Die Wahl des richtigen Modells hängt von Ihrer persönlichen Situation, Ihren Vorlieben und Ihrem Wohnort ab. Einige typische Profile:
Profil 1: Gesunde junge Person (20 bis 35 Jahre)
Empfehlung: Telmed oder Praxis. Junge, gesunde Personen gehen selten zum Arzt. Die telefonische Erstberatung ist kein grosser Umweg, und die Prämienersparnis ist willkommen. Liegt eine HMO-Praxis in der Nähe, lohnt sich auch diese. Ob Praxis oder Telmed günstiger ist, hängt von der Kasse ab: In der Stadt Zürich ist 2027 bei 11 Kassen das Praxis-Modell günstiger, bei 12 das Telmed-Modell.
Rechenbeispiel Zürich (Erwachsene ab 26, Franchise CHF 300, mit Unfall, 2027): Concordia verlangt im Standardmodell CHF 652.10 pro Monat, im Praxis-Modell CHF 557.60 (14,5 % weniger). Ersparnis: CHF 1’134 pro Jahr.
Profil 2: Familie mit Kindern
Empfehlung: Praxis (Hausarzt). Familien mit Kindern brauchen eine verlässliche Anlaufstelle. Die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis kennt die Familie und koordiniert. Die Prämienersparnis summiert sich bei mehreren Familienmitgliedern.
Rechenbeispiel Zürich: Familie mit 2 Erwachsenen (Franchise CHF 300) und 2 Kindern (Franchise CHF 0), alle mit Unfall, Praxis-Modell statt Standard bei derselben Kasse. Die Ersparnis liegt im Median bei rund CHF 990 pro Erwachsenem und rund CHF 200 pro Kind, zusammen im Median rund CHF 2’320 pro Jahr (je nach Kasse CHF 1’003 bis CHF 4’366, BAG-Prämiendaten 2027).
Profil 3: Person mit chronischer Erkrankung
Empfehlung: Praxis (Hausarzt) oder Standard. Wer regelmässig zum Spezialisten muss, profitiert von kurzen Wegen. Das Hausarztmodell funktioniert gut, wenn die Praxis effizient überweist. Bei sehr spezialisierten Erkrankungen kann das Standardmodell sinnvoller sein, um Verzögerungen zu vermeiden.
Profil 4: Digital affine Person
Empfehlung: Telmed/Digital oder Flex. Wer kein Problem mit einer telefonischen oder App-basierten Erstberatung hat, ist im Telmed-Modell gut aufgehoben. Wer sich die Wahl zwischen Praxis und Telefon offenhalten will, prüft ein Flex-Modell.
Kombination mit Franchise
Versicherungsmodell und Franchise sind unabhängig voneinander wählbar. Wer vom Standardmodell mit Franchise CHF 300 zum günstigsten alternativen Modell derselben Kasse mit Franchise CHF 2’500 wechselt, spart in der Stadt Zürich 2027 je nach Kasse CHF 1’872 bis CHF 3’306 pro Jahr (Erwachsene, mit Unfall). Im Ernstfall tragen Sie dann aber bis zu CHF 2’500 Franchise plus CHF 700 Selbstbehalt. Mehr zur Franchise-Wahl im Artikel Franchise 300 oder 2’500: Rechner und Break-even.
Versicherungsmodell wechseln
Die Regeln unterscheiden sich je nach Richtung (KVV Art. 100):
Vom Standardmodell in ein Praxis-, Telmed-, Flex- oder Apothekenmodell: Die Verordnung erlaubt diesen Wechsel jederzeit (KVV Art. 100 Abs. 2). Ab welchem Datum das neue Modell gilt, erfahren Sie bei Ihrer Kasse. Prüfen Sie vorher, ob in Ihrer Region eine passende Praxis auf der Liste der Kasse steht.
Aus einem eingeschränkten Modell zurück ins Standardmodell, in ein anderes Modell oder zu einer anderen Kasse: Nur auf das Ende eines Kalenderjahres, mit den Kündigungsfristen des KVG (KVV Art. 100 Abs. 3). Für den Wechsel per 1. Januar 2027 muss Ihre Mitteilung bis 30. November 2026 bei der Kasse eingehen. Ein Wechsel per 30. Juni ist aus einem eingeschränkten Modell nicht möglich.
Prämienänderung unter dem Jahr: Ändert Ihre Kasse die Prämie auf einen anderen Zeitpunkt, können Sie mit einem Monat Frist auf das Ende des Monats vor der neuen Prämie zu einer anderen Kasse wechseln (KVG Art. 7 Abs. 2).
| Was Sie ändern | Muss bei der Kasse eingehen | Gilt ab | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Aus Praxis, Telmed, Flex oder Apotheke zurück ins Standardmodell | 30. November 2026 | 1. Januar 2027 | KVV Art. 100 Abs. 3 |
| Krankenkasse wechseln (jede Franchise, jedes Modell) | 30. November 2026 | 1. Januar 2027 | KVG Art. 7 Abs. 2 |
| Franchise senken | 30. November 2026 | 1. Januar 2027 | KVV Art. 94 Abs. 2 |
| Franchise erhöhen | 31. Dezember 2026 (BAG empfiehlt: bis Mitte Dezember) | 1. Januar 2027 | KVV Art. 94 Abs. 1 |
| Krankenkasse wechseln Mitte Jahr (nur mit Franchise CHF 300, Kinder CHF 0, im Standardmodell) | 31. März 2027 | 1. Juli 2027 | KVG Art. 7 Abs. 1 |
Massgebend ist der Eingang bei der Kasse, nicht der Poststempel. Einen umfassenden Überblick über die Grundversicherung finden Sie im Komplett-Guide zur Grundversicherung Schweiz.
Häufige Fehler bei der Modellwahl
Fehler 1: Nur auf den Rabatt schauen. Der grösste Rabatt nützt nichts, wenn das Modell nicht zu Ihrem Alltag passt. Wer bei jedem Anliegen zuerst telefonieren muss und das als lästig empfindet, wird unzufrieden sein.
Fehler 2: HMO wählen, ohne den Standort zu prüfen. Wenn die nächste HMO-Praxis weit entfernt ist, kostet Sie jeder Besuch Zeit.
Fehler 3: Den vorgegebenen Weg nicht einhalten. Gehen Sie im Hausarzt- oder HMO-Modell ohne Überweisung zu einem Spezialisten, kann die Kasse die Kostenübernahme verweigern. Was genau gilt, steht im Reglement Ihrer Kasse.
Fehler 4: Das Modell nie überprüfen. Wenn sich Ihre Lebenssituation ändert (Umzug, neue Diagnose, Familienzuwachs), prüfen Sie, ob das Modell noch passt. Zurück ins Standardmodell geht es nur per 1. Januar.
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Häufig gestellte Fragen
Sind die Leistungen bei allen Modellen wirklich gleich?
Ja. Der Leistungskatalog der Grundversicherung ist gesetzlich festgelegt und gilt für jedes Modell. Der Unterschied liegt im Zugangsweg, also an wen Sie sich zuerst wenden müssen.
Was bedeuten Praxis, Telmed/Digital, Flex und Apotheke?
Das sind die Kategorien, in die das BAG die Modelle ab den Prämien 2027 einteilt. Praxis umfasst die bisherigen Hausarzt- und HMO-Modelle, Telmed/Digital die Modelle mit Erstkontakt per Telefon oder App. Flex bietet mehrere erste Anlaufstellen zur Auswahl, beim Apothekenmodell ist eine Partnerapotheke der Kasse die erste Anlaufstelle.
Was passiert im Notfall?
Bei einem Notfall können Sie in jedem Modell direkt ins Spital oder in die Notaufnahme gehen. Die Pflicht zur Erstberatung entfällt bei Notfällen.
Kann ich im Hausarztmodell direkt zum Augenarzt oder Gynäkologen?
Viele Kassen sehen für bestimmte Fachrichtungen, etwa Augenheilkunde oder Gynäkologie, Ausnahmen vor. Die genauen Regeln variieren je nach Kasse. Prüfen Sie das Reglement Ihres Modells.
Muss ich bei Telmed lange am Telefon warten?
Die Wartezeiten variieren je nach Dienst und Tageszeit. Viele Kassen bieten inzwischen auch App-Beratung mit Rückruf an, sodass Sie nicht in der Leitung warten müssen.
Kann ich das Modell jederzeit wechseln?
In ein Praxis-, Telmed-, Flex- oder Apothekenmodell ja: Die Verordnung erlaubt den Wechsel aus dem Standardmodell jederzeit (KVV Art. 100 Abs. 2). Zurück ins Standardmodell oder zu einer anderen Kasse geht es nur per 1. Januar; die Mitteilung muss bis 30. November bei der Kasse eingehen.
Was passiert, wenn ich ohne Überweisung zum Spezialisten gehe?
Im Hausarzt- oder HMO-Modell riskieren Sie, die Kosten selbst tragen zu müssen, wenn Sie ohne Überweisung direkt zum Spezialisten gehen (ausser im Notfall). Die Kasse kann die Kostenübernahme verweigern.
Gibt es HMO-Praxen überall in der Schweiz?
Nein. HMO-Praxen gibt es vor allem in Städten und grösseren Agglomerationen. In ländlichen Gebieten ist das Modell oft nicht verfügbar. Prüfen Sie die Standorte auf der Website Ihrer Kasse.
Wie spare ich maximal bei der Prämie?
Die Kombination aus einem alternativen Modell und Franchise CHF 2’500 ergibt die tiefste Prämie. Welches Modell bei Ihrer Kasse am günstigsten ist, ist unterschiedlich. Das ist sinnvoll für gesunde Personen, die selten zum Arzt gehen und im Ernstfall CHF 3’200 Eigenkosten tragen können. Die Prämien 2027 aller Kassen zeigt die Übersicht Krankenkassenprämien 2027.